... Solitary über die EP
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Produktion der EP.
Jetzt wo Ihr zurückblicken könnt, was bedeuted die Solitary-EP für Euch?
Martin Moser: Die EP ist im Prinzip die Essenz von allem, was wir als Band in den vergangenen drei Jahren musikalisch durchlebt haben. Es ist der Weg, den wir gegangen sind, das Tagebuch unserer ganzen musikalischen Entwicklung. Darum bedeutet die EP sehr viel, mit jedem Song sind unzählige Erinnerungen und Gefühle verbunden, die jetzt für die Zukunft festgehalten sind. Das alles als kleine silberne Scheibe in der Hand zu halten ist ein sehr erfüllendes Gefühl.
Sebastian Luther: Für mich ist die EP in erster Linie die Verwirklichung eines Traumes. Jeder von uns Fünfen hat andere musikalische Vorlieben bzw. Einflüsse, die er in das Gesamtkonzept der Band trägt. Dennoch bilden wir eine Einheit und gerade das spiegelt sich in der Musik wider. Ich hatte immer schon den Wunsch, mit den vier für mich besten Musikern, eine CD aufzunehmen. Um es kurz zu fassen: Die EP bedeutet für mich SOLITARY!
Martin Moser: (lacht) When I listen to the EP, only two words come to my mind: So litary".
(Anm.: Es handelt sich um ein Wortspiel von einer fikitiven Äußerung John Petrucci's zum Song 'Constant Motion'.)
David Jäckle: In zweierlei Hinsicht bedeutet mir die EP sehr viel. Einerseits stellt die EP musikalisch gesehen eine Zusammenfassung unseres Schaffens als SOLITARY dar. Immer wenn wir uns weiterentwickelt haben, ist ein neuer Song entstanden, quasi ein kleiner Meilenstein. Aus diesem Grund war die Zeitspanne zwischen zwei neuen Songs immer so groß, wir ließen uns viel Zeit und die Stücke sind daher auch sehr unterschiedlich. Andererseits steht die EP auch exemplarisch für unsere jahrelange Freundschaft und hat diese im Nachhinein gestärkt. Halte ich die EP in den Händen, so denke ich gleichermaßen an lustige als auch an schwierige Situationen, die uns über die Jahre begegnet sind.
Andreas Kesberg: Die EP stellt leider nur einen kleinen Teil unseres Schaffens dar. Es gab viel mehr Ideen, die wir aber nicht alle verwirklichen konnten. Solitary blickt nun auf eine neue Epoche, die für uns schwierig, aber sicherlich musikalisch sehr fruchtbar sein wird. (lacht)Besonders stolz bin ich auf die verstecken Botschaften, die die Hörer unterbewusst beeinflussen und uns schon bald als riesige Zombiearmee dienen wird. Dank im Vorraus an alle Untoten. "The Album is about Monsters & Vampires" (Anm.: Hierbei handelt es sich um ein Wortspiel mit einer von John Petrucci gemachten Aussage auf der Making-Of DVD von "Systematic Chaos")
Wie hat Euch die Arbeit im Studio gefallen?
Martin Moser: Die vielen langen Abende im Studio waren in erster Linie...lang. Wir haben uns nicht zufrieden gegeben, bis alles so im Kasten war wie wir es uns vorgestellt hatten. Im Gegenzug bedeutete das natürlich schier endloses Feilen an jedem noch so kleinen Detail der Songs. Trotzdem war es eine großartige Zeit in Werners Keller, diesem Musikerparadies auf Erden, wo die Gesetze der Zeit außer Kraft gesetzt sind.
Markus Degenhardt: Die Arbeit im Studio war sicherlich anstrengend und zeitintensiv! Einige Male waren wir der Verzweiflung nahe, ich erinnere mich da an Dinge wie den Klicktrack zu "The Last Remaining Light", die Versuche eine vernünftige Schmutzspur zu erhalten oder die Suche nach verschwundenen Spuren. Andererseits waren die langen Abende immer ein richtiges Ereignis. Wir hatten viel zu lachen und die besten Momente waren die, bei denen man aus dem Aufnahmeraum kam und mit einem sanften Lächeln "fertig" sagen konnte, sich dann anschließend hinter die angrenzende, vollausgestattete Theke, hier war besonders das Eiswürfelmaschinchen sehr beliebt, fallen ließ.
Sebastian Luther: Ja, anstrengend war's, aber es war eine schöne und ereignisreiche Zeit. Vor allem aber habe ich viel dazu gelernt, was das Aufnehmen sowie das haargenaue Einspielen von Songs angeht. Ich erinnere mich an den Tag, an dem es, nach der abgeschlossenen Aufnahme, hieß: "Lasst uns alles noch einmal einspielen, dieses Mal jedoch MIT KLICK!!!". Der reinste Horror, aber ich denke und hoffe...nein ich bin mir sicher, dass es die richtige Entscheidung war.Manchmal zerrten die Stunden wirklich an den Nerven (lacht), nicht wahr, David???...siehe LRL Solo. Letztendlich hat sich die investierte Zeit, inklusive Nerven, gelohnt und wir haben eine "runde" Sache geschaffen. Außerdem: Et Eismaschinsche hann isch ebenfalls jenosse!!!
David Jäckle: Wir waren nicht das erste Mal im Studio, aber mit Sicherheit haben wir alles wesentlich reifer und professioneller angehen lassen. Im Oktober des letzten Jahres gingen wir mit dem Gedanken ins Studio, alle Songs mal eben an einem Wochenende grob einzuspielen...was wir nachher allerdings verwarfen - es war wohl die bessere Entscheidung. Die Zeit im Studio ist für mich wirklich sehr entspannend, da ich mich voll und ganz mit dem beschäftigen kann, was ich am liebsten mache: Musik! Vielleicht waren die ein oder anderen Parts nicht leicht einzuspielen, aber das gehört nun einmal dazu. Aus der Studio-Atmosphäre heraus und nach mehreren Stunden hirnfressendem Click-Track-Programmierens entstehen auch oftmals die lustigsten Situationen und die längsten Listen mit schlechten Sprüchen. Alles in allem ist solch eine Studio-Session, neben Live-Auftritten, mit Sicherheit eine der besten Band-Erfahrungen.
Bei Studioaufnahmen stößt man oftmals auf bisher unbekannte Probleme, auf welche Hürden seid Ihr gestoßen?
Andreas Kesberg: Ach, da stolpert man über viele Dinge. Takte die man doch "schon immer SO" gespielt hat, Recordingprogramme die einem Gott und die Welt versprechen doch dann in Wirklichkeit nur mit einem Lolli rausrücken, Musikhunde, die eigene Naivität und den Ersatz von vier Musikern durch einen penetranten, unfreundlichen Clicktrack.(lacht) Ich nenne ihn "CLICKORrr"!
(Anm.: Es handelt sich um ein verändertes Zitat aus der Serie "The Simpsons")
Sebastian Luther: Ja, da gab es einige Hürden - obwohl ich eher "Mauern" dazu sagen würde. Das beste Beispiel dafür ist der Clicktrack zu LRL. Da haben wir doch relativ lange gebraucht bis wir eine Lösung gefunden hatten, um das Lied auf den Rechner zu bekommen. Letztendlich waren wir aber immer in der Lage, diese "Mauern" zu durchbrechen und diverse technische Ausfälle, wie z.B. die des Rechners, wieder zu beseitigen. Insgesamt bleibe ich bei meinem Resumee, dass die Aufnahme mit all ihren Tücken nicht einfach war, jedoch haben wir alle daraus unsere Erfahrungen gesammelt, wohlbemerkt ausschließlich positive Erfahrungen. (lacht) "Der Clicktrack, der ist permanent, fürchtet ihn, wenn ihr ihn nicht kennt!!!"
David Jäckle: Die größte Schwierigkeit stellte für mich ebenfalls der Click-Track dar. Weniger danach zu spielen, als vielmehr den Song in all seine Einzelteile zu zerlegen und das Gesamtwerk immer im Kopf zu behalten. Abgesehen davon ist die Gefahr der spontanen Selbstentzündung beim Programmieren der Click-Spur wesentlich höher, als sie normalerweise schon ist! Ansonsten war es auch nicht einfach den richtigen Sound für meine Gitarre zu finden. Man kommt mit seinen eigenen Einstellungen ins Studio, nimmt den Amp ab und merkt plötzlich, dass es aufgenommen doch komplett anders klingt, vor allem wenn die Gitarre nicht die Stimmung hält, sondern schlecht gelaunt ist... (lacht) (bekommt Nackenschlag)
Markus Degenhardt: Also eigentlich kann ich mich hier nur noch anschließen und doch nehme ich noch eine Hürde hinzu. Im Studio vergeht die Zeit anders! Zeitpläne oder ungefähre Vorstellungen von Zeitintervallen sind einfach unmöglich. Wir haben oft schmerzlichst gemerkt, die Zeit rast und man braucht so viel davon! Dann kamen gegen Ende verstärkt terminliche Schwierigkeiten hinzu und all das hat Nerven gekostet, aber schlussendlich haben wir auch diese Hürde umgestoßen und sind weitergelaufen.
Die Titel der EP unterscheiden sich musikalisch stellenweise recht stark, besitzt jeder von Euch einen Lieblingstitel? Wenn ja, welcher ist es?
Sebastian Luther: Ich finde natürlich alle Songs, die sich auf der EP befinden und überhaupt unsere eigenen Songs, gut. Besonders jedoch mag ich Stücke, die mich herausfordern und solche, die nach vorne gehen. Diese beiden Kriterien treffen für mich am besten auf "The Last Remaining Light" zu. Verschiedene Stimmungen, viele schöne Spielereien und einprägsame Melodien, eben sehr abwechslungsreich.
Markus Degenhardt: Die Verschiedenheit der Stücke liegt vor allem darin begründet, dass sie zeitlich in unterschiedlichen Phasen der Bandentwicklung geschrieben wurden. Da steht am Anfang 'Of Death And Despair', dieses Lied hat uns quasi aus dem Limpetsdasein herausgeführt und so den Übergang zu SOLITARY geknüpft. 'The Last Remaining Light' folgte mit einigem zeitlichen Abstand, in einer Phase, in der wir technische und musikalische Variation unterbringen wollten. Bei 'Freedom Of Speech' stand nicht mehr diese Vielfalt im Vordergrund, sondern die Idee einen "runden" Song zu schreiben. Die EP ist also wirklich ein Querschnitt durch die letzten Jahre SOLITARYs. Einen wirklichen Lieblingssong will und kann ich nicht nennen, denn bei mir ist es eigentlich immer der Song, an dem wir gerade schreiben.
Was steckt hinter dem so pathetisch klingenden Titel 'Freedom Of Speech'?
David Jäckle: Der Titel 'Freedom Of Speech' handelt von dem gesteigerten Mitteilungs- und Informationsbedürfnis des modernen Menschen. Das heißt: Jeder versucht sich dem anderen auf irgendeine Weise mitzuteilen - meistens über das Internet - selbst dann, wenn es nichts Besonderes mitzuteilen gibt. Alltagssituationen werden als ausgesprochen interessant empfunden, nur weil jemand darüber schreibt. Dadurch entstehen täglich viele neue Informationen bzw. "Neuigkeiten", die mehr oder weniger wichtig sind, welche wiederrum von der einzelnen Person nicht mehr genau gefiltert werden. Letztlich werden die Informationen einfach aufgenommen und der Mensch begibt sich in eine scheinbare Abhängigkeit von ihnen, aus der er nicht mehr herauskommt.
Das Cover der EP bezieht sich offensichtlich auf den Titel 'The Last Remaining Light', um was geht es in diesem Lied?
Martin Moser: Der Sonnenuntergang und die Stimmung während der letzten Sonnenstrahlen der Dämmerung sind ein Thema, das mich sehr fasziniert und fesselt. Genauso wie die Atmosphäre in der Herbstzeit, wenn die Tage kürzer werden und alles Grün und jede Blüte des Sommers allmählich vergeht. Der Songtext zieht die interessante Parallele zwischen diesen Phänomenen, wobei vor allem die düstere, melancholisch-wehmütige Seite betrachtet wird. So schön Sonnenuntergänge und farbenprächtige Herbstwälder sind, sind sie doch nur Momentaufnahmen aus einem Prozess des Niedergangs. Das macht sie wunderschön und tragisch zugleich. Und wie so oft liegt noch mehr hinter dem, was Fassade ist. Es ist ein Text über Abschied, über das Loslassen und die Angst vor der Einsamkeit, die folgt.
Die auf der EP befindliche Version 'Of Death And Despair's' unterscheidet sich recht stark von der von Euch zuvor oft live gespielten Version. Warum habt Ihr Veränderungen vorgenommen?
David Jäckle: Die Veränderungen sind über die Jahre entstanden, meistens sehr spontan. Somit erhält man die Spielfreude, der Song wirkt frischer und man gestaltet es auch für den Hörer interessanter.
'Up To The Skies' ist ein deutlich atmosphärischerer Song, was verbindet Ihr mit Ihm?
David Jäckle: Geschrieben habe ich diesen Song in Anlehnung an einen Tagtraum, den ich einmal hatte. Dabei war es mir wichtig, eine Art "schwebende" und getragene Gefühlsstimmung beim Hörer zu erzeugen, der Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, zwischen Traum und Wirklichkeit soll verschwimmen. Zum Inhalt möchte ich nichts erzählen, um somit genügend Freiraum für Interpretationen zu lassen.
Gibt es eine spezielle Gruppe an Musikinteressierten die Ihr denkt besonders anzusprechen?
Sebastian Luther: Ich denke, dass bei unseren Songs für jeden etwas dabei ist, der sich in Sachen Musik, im Speziellen natürlich Rock und Metal, denn das machen wir nunmal, keine Grenzen oder Einschränkungen setzt. Natürlich, und das muss dazu gesagt werden, ist es kein Rock oder Metal im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr Musik, die nach "vorne" strebt und sich ständig entwickelt. Wichtig ist uns, dass man sich mit unseren Songs auseinandersetzt und sie bewusst wahrnimmt.
David Jäckle: Nein, da gibt es keinen besonderen Hörerkreis, auf den wir uns einschränken. Je mehr Leute unsere Musik hören und Gefallen daran finden, umso besser ist es. Unser Ziel, Menschen mit unserer Musik zu berühren, sollte dieser Idee auch nicht untergeordnet werden.
Wer oder was ist der Maulentofant und was hat es/er damit zu tun?
David Jäckle: Der Maulentofant...diesen Namen sollte man nicht zu laut aussprechen. Es handelt sich hierbei um ein sagenumwobenes Wesen, mystisch, in vielen Gedichten angepriesen oder verteufelt und in seiner Schönheit kaum zu untertreffen. Doch um seiner gerecht zu werden, bedarf es etwas mehr als nur einer kurzen Antwort...eine gesamte Internetpräsenz jedoch wäre seiner würdig.
Was sind Eure Pläne für die nahe Zukunft?
Sebastian Luther: Neue Songs - wir haben in der Zwischenzeit schon 1-2 neue Songs geschrieben, die EP bekannt machen...ja, richtig, auf der ganzen Welt und Auftritte, Auftritte Auftritte. Alle 3 Punkte sind elementar wichtig für uns. Vor allem Letzteres muss realisiert werden, da wir durch kontinuierliche Auftritte an Bühnenerfahrung dazugewinnen. Ich erwarte also von der Zukunft der Band eine permanente, positive Weiterentwicklung auf allen Ebenen.
David Jäckle: Mir ist es ebenfalls wichtig, eigene Songs zu schreiben und diese auch wieder möglichst zeitnah aufzunehmen - den Charakter unserer Lieder weiterzuentwickeln, ein komplettes Album aufzunehmen und viele Menschen mit unserer Musik zu erreichen sind also meine Wünsche für die nächsten Jahre.
Daher möchte ich auch in Zukunft regelmäßig live auftreten, um unsere Musik mit den Zuhörern teilen und ihre Wirkung gemeinsam erleben zu können, gerne auch über den regionalen Raum hinaus.