Solitary
Prolog
Viel wichtiger als jede chronologische Aufzählung von Daten, welche in stoischer Art und Weise Konzerte und Tonträgerveröffentlichungen listet, ist meines Erachtens das, was all dies erst lebendig macht - die Musik.
Dennoch soll das nicht heißen, dass außer der Musik nichts zur Sprache kommen wird. Denn ob es Konzerte oder die Veröffentlichungen sind, diese Dinge sind die Ausdrucksform einer jeden Band und spiegeln jede musikalische Entwicklung wieder.
Musik - ein Diskurs
Um die Musik Solitarys zu beschreiben kommt man nicht umher Vergleiche mit anderen Bands zu ziehen und Songs in das Korsett verwandter Genres zu zwängen. Nur so ist es annähernd möglich eine allgemeingültige Beschreibung dessen zu bekommen, was man eigentlich nicht in Worten fassen kann.
Ob das Bouquet eines Rotweins an Erdbeeren erinnert, liegt oftmals in der Betrachtungsweise des Testers.
Ob sich eine Band eher nach Band X anhört oder doch Aspekte von Genre Y beinhaltet, ist ebenso abhängig von jedem Zuhörer selbst.
Daher möchte ich nicht viel vorweg nehmen, denn in der Musik, wie bei den Weinen, gilt oftmals die gleiche Devise:
Probieren geht über Studieren.
Um alle die zu befriedigen, welche auch mal gerne über Musik reden, lassen wir an dieser Stelle am Besten Solitary selbst ihre Musik charakterisieren.
Was denkt ihr über Vergleiche zwischen eurer Musik und die anderer Bands?
David:
"Also ich kann nich oft genug wiederholen, dass ein Vergleich nicht gleich heisst. Wir sind nicht genau so wie diese eine Band! Gegebenenfalls handelt es sich um vergleichbare Elemente - aber auch nicht mehr. Jeder von uns hat seine eigenen Wurzeln und individuellen Bezüge zur Musik."
Seht ihr denn einen gemeinsamen Nenner in eueren musikalischen Bezügen?
Sebastian, Andy:
"Ja, den haben wir. Aber David hat ganz recht, es sind höchstens Elemente, die Vergleiche zulassen."
Wie ist das mit eurer ersten Veröffentlichung "The Thin Red Line (2002)" zu vereinbaren? Das war ja eine sehr punklastige Sache.
Andy:
" "The thin red Line" war damals einfach ein lustiges Punkrock Album mit dem wir auf Konzerten und bei dem "Songwriting" (sofern man es so nennen darf *lacht* ) uns unbeschwert treiben lassen konnten. Heute sehen wir das alle anders und wollen dass die Musik wirklich etwas ausdrückt und vielleicht auch den ein oder anderen zum Nachdenken bringt. Somit streben wir nach Fortschritt (Progressivität) in unserer Musik und in den Lyrics, was auch unseren Namenswechsel sowie unsere Umorientierung auf musikalischer Seite erklärt."
Würdet ihr also eure Musik eher dem Progressive Genre, sei es nun Prog-Rock oder Prog-Metal, zuordnen?
David:
"Als "progressiv" würde ich unsere Musik im Moment jedoch nicht bezeichnen, denn dieses Wort beschreibt eigentlich das Streben nach bzw. das Schaffen von etwas Neuem, aber wir bewegen uns im Moment eher in einem schon exisitierenden Genre.
Auch sollte man den Wunsch "progressiv" zu sein nicht vor den Ausdruck der eigenen Musik setzen, denn in erster Linie kommt es darauf an, eine eigene Note zu entwickeln, die immer wieder erkannt werden kann und die Leute immer wieder aufs Neue berührt!
Wie gesagt, wir wollen mit unserer Musik gleichermaßen Musiker als auch Nicht-Musiker begeistern. Aus diesem Grund wird man sowohl geradlinige Passagen als auch Passagen mit schrägen Taktwechseln und instrumentalem Schwerpunkt in unseren Songs hören! "
Sebastian:
"Also, den Begriff Progressiv gar nicht zu verwenden, fände ich nicht korrekt. Genauso wie die Tatsache, unsere Musik als ausschließlich progressiv zu bezeichnen. Zusammenfassend ist aber der Stil eher Progressiv, als Rock oder sonstige Richtungen. Meiner Meinung nach ist es wichtig eine Tendenz oder Orientierung anzugeben, um die Leute drauf einzustimmen und bei Konzerten, vorzuweisen, auf was sich die Zuschauer einlassen."
David:
"Ich wehre mich auch nicht generell gegen die Bezeichnung "progressiv", sondern nur gegen eine zu frühe Kategorisierung!"
Andy:
"Eine zu frühe Kategorisierung ist sicherlich nicht richtig, aber das entscheiden eh nicht wir, sondern wie Sebi schon sagte - die Fans.
Im Endeffekt kann diese Diskussion uns aber auch recht egal sein weil die Musikrichtung durch die Musik die wir machen bestimmt wird."
Das war ein gutes Schlusswort Andy. Ich möchte ja nicht weiter darauf pochen, aber, gibt es noch Bands, welche eure Musik aktiv sowie passiv beeinflussen?
Andy:
"Wir haben alle unsere ganz verschiedenen aktiven sowie passiven Einflüsse. Vielleicht muss man da eher zu den Wurzeln gehen, also zu dem was man früher gehört hat und wie sich dann der eigene Geschmack entwickelt hat. Ich habe meinen ersten Schritt mit Blind Guardian getan, doch haben wir nicht gerade viele Power-Metal Element in unseren Liedern. Fakt ist, dass es unheimlich viele Dinge gibt, die einen beeinflussen, die man jedoch höchstwarscheinlich nie in unserer Musik finden wird. Es ist sehr schwer seine Einflüsse zu benennen, da diese sich aus einem fortlaufenden Prozess ergeben. Diese können wir vielleicht erst nach einigen Jahren und Alben wirklich definieren."
The Limpets - Der Weg
I.Der Anfang ist gemacht - The Limpets
Um jede romantische Vorstellung zu stärken - auch Solitary beging als Garagenband ihre ersten musikalischen Schritte.
David, Andy und Markus haben sich schon vor den Zeiten Solitarys gekannt. Bestärkt durch soviele musikalische Vorbilder fragten David und Markus bei Andy an, der zu dieser Zeit schon seine Gitarre bemühte, ob er ihnen nicht Gitarrenunterricht geben würde.
Nach diesen ersten Wegen ins musikalische Leben, bekamen die drei die folgenschwere Idee eine Band zu gründen. Angespornt auf einer privaten Geburtstagsfeier spielen zu dürfen, musste man Schlagzeuger und Sänger auftreiben.
Glücklicherweise kannte David und Markus durch schuliche Wege, Sebastian und Martin, welche dann um Unterstützung gebeten wurden eine Band auf die Beine zu stellen.
Martin:
"Die allererste Probe war beim David in der Garage. Das war so etwa im Februar 2002. Aus irgendeinem Grund, vielleicht Arbeit, war da der Andy nicht da. Wir haben dann versucht unsere ersten Schritte zu tun, ansonsten haben wir uns da glaub ich erstmal beschnuppert. Aber, haben wir nicht direkt im Anschluss an diese erste Probe den Namen "The Limpets" durch Blättern im Wörterbuch gefunden?! *lacht* "
Andy:
"Die ersten Proben fanden in dem kleinen Raum hinter der Garage von Sebastians Eltern statt. Wir, die Verstärker, das Schlagzeug und die anderen Instrumente passten gerade so in den Raum und von einer Gesangsanlage konnten wir nur träumen. Wir hatten ein billiges Mikro an einen winzigen Verstärker angeschlossen und nach einem kurzen Rundumtalentscheck wurde dem Martin die Bürde des Sängers aufgebunden. Nach einiger Zeit mussten wir (vor allen dingen ich *lacht* ) feststellen dass David und Markus derartig starke Fortschritte machten an den Gitarren dass meine Wenigkeit schwer hinterherhinkte. Kurz darauf wurde dann beschlossen mir den Bass anzuvertrauen (was sich für mich als Glückfall erweisen sollte) und dem Martin die Möglichkeit geben sich voll und ganz auf das Singen zu konzentrieren. Durch das Einbringen einiger Lieder mit Keyboard Begleitung kramte dann Markus sein altes Klaviertalent herraus und entschied sich NUR noch Keyboard zu spielen, was uns auf einer Seite sehr erfreute aber auch alte Lieder komplett über den Haufen warf und nach einem neuen Arragement verlangten. "
II.Der Schmale Grat - The Thin Red Line
"The Thin Red Line" - das Debutalbum, welches noch unter dem damaligen Bandnamen "The Limpets" veröffentlicht wurde, ist ein sehr solides punkiges Werk.
Welche Gegenwartsbedeutung und Bedeutung im Allgemeinen hatten/haben "The Limpets" für Euch?
Markus:
"The Limpets war ein "Projekt" mit dem wir einen einstieg gemacht haben. Dort haben wir gelernt was es heißt mit anderen zusammen zu musizieren. Es war also ein Sprungbrett vom einfachen Zimmermusiker zu einem, der mit anderen zusammen spielen kann..."
...und das Album "The Thin Red Line"?
Markus:
"Musikalisch war das Niveau sicherlich eher niedrig anzusetzen. Allerdings haben wir den Schritt geschafft von einer reinen Coverband zu einer Band mit eigenen Songs und sogar einem Album."
Martin:
"Ja, richtig. Die Intention von The Thin Red Line war in erster Linie glaube ich - einfach eine CD aufzunehmen. Wir hatten ja schon recht schnell die ersten eigenen Lieder, und eine CD aufzunehmen ist immer ein Meilenstein für eine Band. - Gerade für eine junge Band."
Wie ging denn der gesamte Prozess von statten?
Martin:
"Das Songwriting ging zu dieser frühen Zeit sehr schnell, da die Lieder vom Aufbau und vom musikalischen Niveau her doch ziemlich simpel gestrickt waren. In der Hochphase des Songwritings haben wir damals in einer Probe gleich zwei neue Songs komplett fertig gemacht, das Album entstand also in recht kurzer Zeit.
Aufgenommen haben wir bei Phillip Pryss' Caress Music in Meinborn kurz vor Weihnachten 2002. Eine Woche lang immer im Metalmobil hoch und wieder zurück und dann war das Album fertig.
Die Auflage von The Thin Red Line war damals ca. 150 Stück, die wir in einer mehrstündigen Aktion selbst auf CD gebrannt und mit handgebastelten Inlays in die Hüllen gepackt haben."
Für wie erfolgreich war das Album, eurer Meinung nach?
Martin:
"Das Album kam damals ziemlich gut an bei den Leuten, das liegt vielleicht daran, dass die Songs, so simpel und teilweise miserabel sie auch eingespielt sind, genau das rüberbringen, was wir als Limpets waren: fünf junge Anfängermusikanten, die jede Menge Spaß hatten und einfach unbeschwert drauflosspielten.
Für mich ist das Album einfach die auf CD gepresste Stimmung dieser Zeit.
Interessanterweise haben wir von den Liedern der CD einige bis heute nie live gespielt. Andere, wie Far Away, dagegen hatten wir noch sehr lange in den Setlisten."
Wenn Ihr in einem Satz erklären müsstet, was das Wichtigste an "The Limpets" gewesen ist...
Markus:
"Das "The Limpets" folgendes bewirkt hat: Wir fanden uns zusammen und kannten den einen mehr den anderen weniger oder gar nicht, es entwickelten sich durch den gemeinsamen Spaß (von dem wir als Limpys sicherlich viel hatten) an der Musik, tiefe Freundschaften, welche heute die Band Solitary zusammenhalten und eine gute Zusammenarbeit ermöglichen!"
David:
"Dem ist nichts hinzuzufügen..."
Sebastian:
"Ja das stimmt. Besonders der Teil mit dem Zusammenwachsen und den tiefergehenden Freundschaften ist wichtig!"
Solitary - Auf einzelgängerischen Pfaden
Um die Jahreswende 2004/2005 waren "The Limpets" Geschichte.
Denn zu dieser Zeit entstanden "Solitary" - wer nun an große Geschichten und Tragödien denkt, welche oft hinter Bandumbenennungen oder Neugründungen stecken, irrt in diesem Fall gehörig. Fast schon logisch erschien die Umbenennung resultierend aus der Neuorientierung der Band.
Wie kam es nun zu Solitary?
David:
"Mmh...also eine Namensänderung hängt bei vielen Bands mit einer musikalischen Umorientierung zusammen, so auch bei uns. Wir hatten nun über die Jahre hinweg einiges an Banderfahrungen gemacht und uns auch an unseren eigenen Instrumenten verbessert. Somit wurden uns die alten Songs langsam zu langweilig und lieferten uns keinen neuen Anspruch mehr. Auch das Covern von neuen Songs wurde auf Dauer etwas eintönig und so entschlossen wir uns, einen "Neuanfang" zu starten.
Die solide Freundschaftsbasis war, wie Markus bereits erwähnt hatte, bereits vorhanden, also hatten wir beste Voraussetzungen auch weiterhin zusammen zu musizieren. Ein weiterer Punkt neben der instrumentalen Weiterentwicklung war mit Sicherheit auch der Wunsch, endlich mal als "richtige" Musiker wahrgenommen zu werden. Aus einer reinen Spaßband wurde also langsam eine reife Band, die ihre musikalischen Gedanken nicht länger in 3-Minuten-Songs zwängen wollte."
Also ist nun eine reife Band entstanden, welche abgesehen von dem Spass an der Musik an sich noch sich das Ziel gesetzt hat eigene musikalische Ziele und Formen zu verwirklichen, damit etwas auch eigenes zu machen und somit dem Ganzen eine Aussage zu geben.
David:
"So sehen wir auch heute unser Dasein als Band: wir haben immernoch sehr viel Spaß, aber versuchen mit unseren Liedern wirklich etwas auszudrücken!"
Solitary - was steckt hinter dem Namen? Ich kann mich noch sehr gut an unsere Runden erinnern, wo wir zusammen nach einem passenden Namen geforscht haben.
David:
"Tja...zu einer reifen Band gehört auch ein reifer Name. Wir haben einen einfachen, gut einprägsamen Namen gesucht, der möglichst auch eine bestimmte Stimmung vermittelt. Mit Sicherheit ist "einsam" nicht die schönste Stimmung die man sich denken an, aber für uns war es die richtige Entscheidung. Wie wir darauf gekommen sind, kann ich auch nicht mehr genau sagen, vielleicht war es einfach aus einer gewissen Situation heraus...aber der Name soll ja bekanntlich auch ein wenig Interpretationsraum für Fans bieten. *lacht* "
Sebastian:
"Ich denke der Name "Solitary" hat auch etwas mystisches. Und gerade das, finde ich persönlich sehr interessant. Einsamkeit oder einsam hat auch etwas mit Nachdenklichkeit und Ruhe zu tun. Einsamkeit bietet eventuell auch die Möglichkeit einer Selbstfindung und der Betrachtung des eigenen Daseins. Somit lässt der Name Solitary sehr viel Interpretationsfreiraum, wie David es schon sagte. Und gerade dieser Freiraum spiegelt auch unseren Freiraum in Sachen Musikgestaltung wieder. Die Möglichkeiten unserer Musik Ausdruck zu verleihen sind sehr vielseitig und nach oben hin offen. Der Name hat folglich sehr viel Bezug zu unserer Musik bzw. zu unserer Musikrichtung, die man als Kreativ, nachdenklich, mystisch, emotional-> stimmungssschwankend (denn Einsamkeit kann manchmal auch positives bewirken und ist nicht zwangsläufig negativ behaftet), grenzenlos, beschreiben kann."